FORSCHUNG UND METHODEN

Themenschwerpunkte:

• Interkultur (Fremdverstehen und interaktionistischer Ansatz)
• Migration (Ethnographie und Mikroanalysen der Interaktionen in Migranten-Communities/Familien)
• Mehrsprachigkeit (Ideologien, Praxis von Mehrsprachigen, Migration und Bildung)
• Heterogenität/Diversität/Ausdifferenzierung von x-Kulturen
• Komik-Analyse (Bühnenkomik, interaktionale Komik)
• Intersektionalität der Kategorien ethnisch-kulturelle Herkunft, Religion, Alter/Generation, Gender, insb. Männlichkeit, Sexualität

Theoretische Ansätze:

• Mikrosoziologie, die Interaktionsprozesse und Alltagspraktiken analysiert und erklärt;
• Kultursoziologie, wobei ich Kultur als Wissens-, Deutungs-, Erkenntnis-, Symbol- oder Ordnungssystem verstehe und sie nach Gehlen/Soeffner deute als eine spezifische Zugangsweise und Aktivität des Menschen auf sich selbst bezogen und gleichzeitig auch als Produkt dieser Aktivität; Kultur als Erkenntnisstil und Erkenntnisgegenstand;
• Wissenssoziologie nach Berger/Luckmann;
• Kommunikationssoziologie mit konstruktivistischem Ansatz, die kommunikative Konstruktionen betrachtet wie: (un)doing culture, gender, ethnicity, identity.

Methodisch ist meine Arbeit in den qualitativen, interpretativen und rekonstruktiven Methoden der empirischen Sozialforschung verankert. Als geeignete Methode für die Exploration eines neuen Forschungsfelds sowie für die Eruierung des Bewusstseins und der subjektiven Perspektiven von Befragten, betrachte ich das Interview bzw. die Befragung (als die meist verbreitete Datensorte) zur Rekonstruktion von Wahrnehmungen, Zuschreibungen und Alltagstypisierungen. Dass Interviewanalysen an Grenzen stoßen können und es einer methodischen Erweiterung in Form von ethnographischer Feldforschung oder MixedMethods bedarf, zeigte sich bereits in meiner Dissertation zur deutsch-ukrainischen Wirtschaftskommunikation. Das Ziel der Arbeit war, zentrale kommunikative Probleme im interkulturellen Wirtschaftsumfeld aufzudecken sowie kulturelle Kommunikations- und Handlungsmuster der deutschen und ukrainischen Akteure zu beschreiben und zu erklären. Während die Interviews nur Themen auf der Ebene des sprachlichen Bewusstseins ans Licht brachten, ließ die mehrmonatige ethnographische Forschung in einem deutsch-ukrainischen Arbeitskontext strukturelle Bedingungen und Machtverhältnisse, Interessenslagen und kulturelle Muster aufdecken. In diesem Kontext fanden Kommunikationsprozesse und Kulturalisierungen statt, die den Unternehmenserfolg wesentlich prägten. Unter Anbetracht von Globalisierung, Migrationsbewegungen, Ausdifferenzierung und steigender Komplexität sowie unter der Prämisse, Kulturen nicht als homogene Entitäten, sondern als heterogenes, komplexes und interaktives Gefüge in ständigen Aushandlungsprozessen zu begreifen, das in ebenso konstruierte und fluide soziopolitische Kontexte eingewoben ist, ist eine interaktionistische und konstruktivistische Herangehensweise in Form der Erhebung ‚natürlicher’ Interaktionen und einer komplexen, ethnographischen Forschung unabdingbar. Bei der Ethnographie sind mir zwei Aspekte besonders wichtig: 1) Fundamentale Reflexivität der Forschung bzw. der forschenden Person im Feld und 2) die freie Anwendung des gesamten Methodenspektrums der empirischen Sozialforschung bei der Erhebung der feldbezogenen Daten. Der Umgang mit solch einer Komplexität im Datenkorpus stellt durchaus eine Herausforderung dar.
In meiner Forschung verbinde ich methodisch die interaktionale Soziolinguistik und die interpretative Gesprächsanalyse mit Methoden der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik, der Ethnographie, dem „verstehenden“ Interview sowie der Video- und Bildanalyse. Die Prinzipien der Grounded Theory stehen dabei immer im Vordergrund.

Liste der bisher angeworbenen und durchgeführten Drittmittelprojekte

(1) Ethnographische Forschung im Einkaufsbüro eines deutschen Konzerns in Kyiw, Ukraine, im Rahmen des Dissertationsprojektes zur deutsch-ukrainischen Wirtschaftskommunikation
August – November 2001
Universität Konstanz
Ausschuss für Forschungsfragen (AFF)

(2) Pilotprojekt „Migration und Komik. Inklusions- und Exklusionsprozesse durch Komik und Satire in Spätaussiedlermilieus“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI)
Oktober 2010 – März 2011
Universität Duisburg-Essen
Science Support Centre (SSC)

(3) Migration und Komik – Soziale Funktionen und konversationelle Potentiale von Komik und Satire in den interethnischen Beziehungen Deutschlands
Oktober 2012- Mai 2016
Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI)
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, Eigene Stelle)